18. November 2017 - 18:00 Uhr

„Mehr Mut, Neues zu wagen“


„Wir brauchen mehr Freiheit im Denken und Handeln, mehr Mut, Altes zu verändern oder abzuschaffen und Neues zu wagen“, rief Superintendent Christian Weyer in seinem Bericht auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Saar-West den Delegierten zu.

Aus 26 Gemeinden kamen an diesem Samstag die Synodalen in der Stadthalle Püttlingen zu ihrer ordentlichen Herbsttagung zusammen.  

Weyer forderte dazu auf, den Impuls aus dem Reformationsjubiläum nicht fallen zu lassen. Er sehe das Jubiläum als Auftakt zur Weiterarbeit an notwendigen Veränderungen. Man solle Gewohnheiten kritisch hinterfragen, dazu gehöre beispielsweise auch der Gottesdienst sonntags um 10 Uhr oder eine Kirchengemeinde an geografischen Grenzen fest zu machen. „Wichtig ist mir dabei, dass reflektiert wird. Einheitslösungen wird es in unserem pluralistischen Kirchenkreis nicht geben, aber die innere Grundhaltung sollte überdacht werden“, unterstrich der Superintendent seinen Aufruf bei der Aussprache mit den Delegierten.

Er zeigte sich auch begeistert, dass es bereits Kreativität gibt und Neues probiert wird und verwies dabei auf die vielfältigen Aktivitäten zum Reformationsjubiläum: Freiluftgottesdienste und Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten, außergewöhnliche Angebote in vielen offenen Kirchen in der Nacht der Reformation oder Kooperationen unter Kirchengemeinden sowie ökumenische Veranstaltungen. „Da wurde die Erfahrung gemacht, dass gemeinsam viel mehr zu erleben und zu bewegen ist“, benannte der Superintendent den aufgebrachten Mut etwas Neues zu probieren.

Aber auch die Zeit, so forderte Weyer weiter, die Pfarrerinnen und Pfarrer in Verwaltungssitzungen verbringen, müsse reduziert werden. Viel Hoffnung setzt er dabei auch in die Arbeitsgruppe „Leichtes Gepäck“ der Evangelischen Kirche im Rheinland, in der er als Vertreter südrheinischer Kirchenkreise vertreten ist. Ziel sei, die Regelwerke der Kirche von unnötigen Vorschriften, Vorbehalten und Verfahren zu befreien. Aber auch die Presbyterien und andere Leitungsgremien müssten Prioritäten setzen: „Wir müssen auf Dauer entscheiden, was in der Kirchengemeinde oder im Arbeitsbereich oder in der Einrichtung wichtig ist und Bestand haben soll und was beendet werden kann“, ermutigt Weyer die Synodalen, Veränderungen anzugehen. Dabei griff er auch die Thesen auf, die Saarländerinnen und Saarländer nach Aufruf durch die Evangelische Akademie im Saarland im letzten Jahr formuliert haben, darunter: „Mehr Lebendigkeit. Im Gottesdienst.“ – „Feuer des Glaubens. Neu entfachen“.

Nach der Mittagspause verabschiedeten die Synodalen den Haushalt für das Jahr 2018. Der Kirchenkreis Saar-West rechnet im kommenden Jahr mit einem Kirchensteueraufkommen von etwa 17 Mio. Euro. Davon gehen verschiedene Umlagen ab:  gut 4 Mio. Euro für die Landeskirche und die Evangelische Kirche in Deutschland, 989.000 Euro für die Verwaltung  und gemeinsame Einrichtungen, wie beispielsweise der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugend oder der Telefonseelsorge, für die Arbeit Diakonie Saar gut 770.000 Euro. Damit stehen am Ende jeder Gemeinde pro Gemeindeglied gut 136 Euro zur Verfügung. „Leider sinken die Gemeindegliederzahlen aufgrund des demografischen Wandels weiter, was Kostensteigerungen pro Gemeindeglied zur Folge hat, die das Finanzamts-Aufkommen nicht auffangen kann“, beschreibt Superintendent Christian Weyer das Dilemma trotz Sparmaßnahmen.





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